Chronik des TCF 1910

Sechs junge naturbegeisterte, aber unbemittelte Männer, die an den Wochenenden die heimatliche Umgebung durchstreiften, gründeten am 3. Juni 1910 einen Wander- und Kletterclub. Als erster Vorstand wurde W. Frankfurter gewählt, der mit der Anfangssilbe seines Namens diesem Club seinen Vereinsnamen gab.

Der TC „ Frankensteiner „ war gegründet.

Dass die Mitglieder auch klettersportliche Ambitionen hatten, beweist die Tatsache, dass Karl Lotzmann zum Seilwart gewählt wurde. Einmal in der Woche traf man sich zum Clubabend. Aus alten Tourenbüchern ist zu ersehen, dass in unserem Club geklettert, gewandert und Ski gefahren wurde. Ein Novum für die damalige Zeit war, dass im Januar 1911 die Teilnahme von Frauen an Geselligkeitsabenden gestattet wurde. Noch im gleichen Jahr wurde ein Clubabzeichen mit den Herkulessäulen als Clubgipfel angefertigt und im Jahre 1914 wurde von den beiden Bergfreundinnen Kühnel und Prietsche die Clubfahne gestiftet.


Im März 1911 wurde durch den TC Frankensteiner und 14 weiteren Clubs der SBB gegründet. Der am 07.Juni gewählte Vorsitzende des SBB, Alfred Porzig, wurde im Mai 1914 Mitglied des TC Frankensteiner. Ein Jahr später wurde das Liedgut des Clubs an die Gesangsabteilung des SBB übergeben.
Im Juli 1914 wurde beschlossen, eine Hütte in Königsstein/Halbestadt auszubauen. Die Hütte wurde gepachtet und nach letzter Eintragung im Hüttenbuch wahrscheinlich 1919 aufgegeben.
Im Mai 1918 gab es ein gemeinsames Stiftungsfest der Clubs Felsenbrüder, Frankensteiner und Wehlsteiner.
Da dem TC Frankensteiner schon immer bewusst war, dass er nur langen Bestand haben kann, wenn auch die Familien integriert sind, wurde im Juni 1924 der Beschluss gefasst, dass Frauen als außerordentliche Mitglieder aufgenommen werden können.

Wie in den vorhandenen Tourenbüchern nachgelesen werden kann, wurde regelmäßig u.a. bis in die Alpen, in die Fränkische Schweiz, ins Böhmische Paradies, ins Riesen- Adler und Fichtelgebirge mit dem Club gefahren.
Auch Stiftungsfeste und schwere Klettertouren wurden durchgeführt, was in der Kriegszeit des I. und II. Weltkrieges recht schwierig war (z.B. Erstbegehungen: Wolfsspitze-Vettervariante; Tiedge- Südweg; Nonne –Nordostwand; Lehnwächter- Talweg usw.).
Aus der Zeit der Nachkriegswirren konnten keine Tourenbücher gefunden werden, aber es wurde auch über diese Zeit von damaligen Mitgliedern über gemeinsame Bergerlebnisse berichtet.

Nach dem II. Weltkrieg begann ab 1947 wieder ein ordentliches Clubleben. Obwohl im Frühjahr 1948 auf Grund eines sowjetischen Militärbefehls sämtliche Clubs verboten wurden, ging unser Clubleben weiter.
Es wurde wieder schwer geklettert, nachdem 1950 eine neue junge Klettergeneration dem Club beitrat. Im verstärkten Maße gehörte im Winterhalbjahr das Skifahren zu den sportlichen Höhepunkten des Clubs.
Da ab 1961 die westl. Gebirge für uns verschlossen waren, ging es in die tschechischen, bulgarischen und rumänischen Gebirge. In den Jahren um 1970 gab es in unserem Club wieder einen großen Zuwachs an Jugend. Sie kletterten recht schwere Wege und ein Frankensteiner wurde sogar Mitglied der Kernmannschaft Alpinistik. Nachdem die damalige Jugend sich in den sowj. Hochgebirgen „Appetit“ geholt hatte, wurde es ihnen in der damaligen DDR zu eng und sie wanderten zum großen Teil aus, aber hielten dem Club trotz allem die Treue.
Inzwischen ist in unseren Reihen wieder eine gute Jugendgruppe herangewachsen, die auch wieder zum Teil schwere Wege klettert, aber auch bei anderen touristischen Höhepunkten, wie Radln, Ski fahren und Wandern aktiv ist.

Wir sind heute einer der größten sächsischen Kletterclubs. Seit einer 1999 überarbeiteten Satzung, sind nun auch die Frauen ordentliche gleichberechtigte Mitglieder des Clubs. Wir treffen uns 1 mal monatlich zu einem Clubabend, wo auch die älteren Bergfreunde, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr mit raus fahren, am Clubleben teilnehmen können.
Unsere Tourenberichte zeigen, dass trotzdem alle unterwegs sind, die einen am Fels, die anderen auf dem Rad und Wanderfüßen oder im Winterhalbjahr auf dem Ski, und die Gehbehinderten auf Autotour.

Dem Klettern in unserem sächs. Elbsandstein und der Entwicklung unserer Clubkinder wird aber immer noch der höchste Stellenwert eingeräumt. Sind wir doch sächsische Bergsteiger und das höchste Gut was ein Club besitzt sind seine Kinder.